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Aktuelles

In einem Buchbeitrag für den W. Bertelsmann Verlag setzen sich Ulrike Huemer und Julia Bock-Schappelwein, WIFO mit der Verwertbarkeit der formalen Ausbildung am österreichischen Arbeitsmarkt und dem Risiko nicht entsprechend im Unternehmen eingesetzt zu werden, auseinander.Formale Überqualifikation kann viele Gründe haben: Diese reichen von angebotsspezifischen Faktoren über individuelle Fähigkeiten und Präferenzen, Lebensumstände, Erwartungen, Arbeitserfahrung, wirtschaftliche und strukturelle Rahmenbedingungen, betriebsspezifische und migrationsspezifische Aspekte bis hin zu den Arbeitsplatzeigenschaften.

Arbeitskräfte mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung sind seltener als Arbeitskräfte mit einer abgeschlossenen Allgemeinbildung von formaler Überqualifikation betroffen. Allerdings sind merkliche Unterschiede zwischen Frauen und Männern erkennbar: Zum einen sind Frauen in allen Ausbildungszweigen stärker von formaler Überqualifizierung betroffen und zum anderen gibt es starke Abweichungen in der Betroffenheit zwischen Männern und Frauen mit BHS-Abschluss. Das Risiko, formal überqualifiziert zu sein, ist bei Männern mit abgeschlossener Lehre oder BMS am geringsten. Ferner reduziert die Beschäftigung in einem Großbetrieb sowie die Beschäftigung in einem Unternehmen aus dem Bereich „Gewerbe und Industrie“ das Risiko einer Überqualifizierung.

Der Angestelltenstatus und die Ausübung einer Leitungsfunktion senken ebenfalls das Risiko, im Beruf formal überqualifiziert zu sein. Umgekehrt steigt das Risiko, wenn ein Migrationshintergrund besteht oder wenn  man nicht zur Stammbelegschaft zählt.

Insgesamt stellt die formale Überqualifizierung am österreichischen Arbeitsmarkt ein nicht unbedeutendes Phänomen dar. Aus individueller Sicht ist die formale Überqualifizierung dann ein Problem, wenn sie unfreiwillig ist, sprich die Betroffenen keine ausbildungsadäquate Beschäftigungsmöglichkeit vorfinden. Aus volkswirtschaftlicher Sicht stellt formale Überqualifizierung eine ineffiziente Mittelverwendung im Bildungssystem und nicht optimal genutzte Wertschöpfungspotenziale dar.

Formal überqualifiziert? Eine Analyse der Verwertbarkeit der formalen Ausbildung am österreichischen Arbeitsmarkt; Huemer, Ulrike; Bock-Schappelwein, Julia